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    Unterwegs im unbekannten Land – Eindrücke aus Myanmar

    geschrieben von John | 22 Oktober 2013

    Drei Wochen lang war ich im heutigen Myanmar, für viele noch als Burma bekannt, unterwegs. Meine einmaligen Eindrücke und Erlebnisse aus Myanmar habe ich in einem Tagebuch festgehalten. Hier erzähle ich Ihnen von meinen Erfahrungen, die ich im Norden vom Shan-Staat sammeln konnte. Für viele Freunde, mit denen ich über Myanmar sprechen wollte, war das Land ein unbekannter Fleck auf der Landkarte. Oft kam die Antwort „Wie heißt das Land? Nie von gehört“. Eigentlich Schade, denn Myanmar ist eine neue Destination auf dem Reisemarkt, die für unterschiedliche Reisenden viel zu bieten hat. Hier ein Auszug aus meinem ersten Reisebaustein “Shan-Dörfer & Gokteik Viadukt“.

    Erst spät abends kam ich mit einer kleinen Maschine von Bangkok aus in Yangon an. Am Ausgang des kleinen Flughafens in Yangon wartete bereits mein Guide seit einiger Zeit, denn mein Flug hatte Verspätung. Nach einem sehr angeregten, offenen Gespräch, kamen wir auch schon am Hotel an. Da es für mich am nächsten Tag schon weiter ging, musste ich mich nach kurzer Zeit leider wieder verabschieden. Doch ich wusste wir würden uns am Ende der Reise nochmals treffen, dann aber für eine längere Zeit.

    Der ursprüngliche Norden vom Shan-Staat stand als erstes auf meiner Agenda. Noch recht verschlafen, ging es wieder mit einer kleinen Propellermaschine in Richtung Lashio. Die touristisch noch sehr unberührte Region, wird vor allem von Minderheiten bewohnt und setzt sich aus kleineren Städten und Dörfern zusammen. Der Baustein „Reisbus & Shan Nudeln“ begann für mich auf dem Rollfeld (Flughafen) von Lashio. Allein das war schon ein kleines Abenteuer, denn die Gepäckausgabe fand direkt auf dem Rollfeld statt, da es kein Gepäckband oder sonstige technische Hilfsgeräte gab. Stattdessen kam ein überaus freundlicher Fahrer auf mich zu, regelte die Formalitäten und holte für mich das Gepäck ab.

    Propellerflugzeug
    Propellermaschine in Lashio

    Mit Händen und Füßen und einfachem Englisch, versuchten mein Fahrer und ich uns einander verständlich zu machen. Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch, wobei er schnell zu meinem Lehrer wurde. Denn die Fahrt nach Hsipaw bot mir auch direkt die Möglichkeit, ein paar Worte und Sätze auf burmesisch zu lernen. Geduldig wiederholte der Fahrer Wörter, die ich dann in meiner eigenen Lautschrift wie z.B. „je su tin-badä“ = Danke, aufschrieb um nachher noch die Aussprache nachvollziehen zu können. Es ist immer hilfreich und auch ratsam, einige wenige Wörter oder Sätze in der Landessprache wie “Danke”, “Bitte”, “Wie geht es Ihnen”, “Ja”, “Nein” und die Zahlen zu beherrschen. Des Weitern macht es auch sehr viel Spaß, das gelernte anzuwenden. So kommt man sehr schnell in Kontakt mit Einheimischen, die stolz sind, wenn Touristen Ihre Sprache zu mindestens versuchen zu sprechen.

    Bereits kurz nach dem Einchecken in der Unterkunft begann dann auch schon das erste leichte Trekking durch Felder voller Getreide, Wassermelonen, Ananas und Senfpflanzen, über kleine Bäche und durch die umliegenden Shan-Dörfer.

    Wanderung im nördlichen Shan Staat
    Wanderung durch idyllische Dörfer

    Die durch die Dörfer laufenden Kinder winkten uns freundlich zu. Neben einer Klosteranlage auf einem Berg spielten die kleinen Mönche munter verstecken. Was sich bei den roten Roben, als gar nicht so leicht herausstellte. Neben einem Tempel haben wir das Grab eines Shan Prinzen besucht. Die Sonne untermalte die teils zerfallenen Ruinen und neuen Denkmäler und setze sie in Szene. Der nächste Tag begann mit einer Bootstour auf dem nahe liegenden „Duthawady“ Fluss. Am Morgen war die Sonne noch sehr angenehm, doch später war ich sehr dankbar genügend Sonnencreme und eine Cappie dabei gehabt zu haben. Denn das Thermometer klettert schnell auf über 30-35 Grad in der Trockenzeit.

    Die sehr ländliche Gegend wird von Bootsbauern, Ackerbauern und Viehtreibern, die Ihre Büffel im Fluss baden lassen, bewohnt. Es wirkte ein bisschen wie in einem Märchenland mit dem noch nebelverhangenen Fluss. Am Ufer wuschen fleißige Frauen ihre Wäsche und winkten mir hin und wieder fröhlich zu.

    Schulkinder
    Am Nachmittag kamen mir viele Schulkinder auf dem Nachhauseweg entgegen

    Wir besuchten ein Kloster in einem Wald, in dem junge Mönche (Novizen) lebten und unterrichtet wurden. Es war beeindruckend, in was für einfachen Verhältnissen sie leben. Trotzdem wirkten alle Kinder glücklich und zufrieden. Ich gab dem Lehrer Stifte und Kreide, die er dankend entgegen nahm. Nicht alle Eltern können es sich leisten, den Kindern angemessene Unterrichtsmaterialen zu kaufen. Somit sind alle über eine kleine Spende sehr dankbar. Viele Schulen, an denen wir vorbei kamen, sahen wie ausgestorben aus. Dies lag an den Schulferien, die im April beginnen und drei Monate andauern. Zu dieser Zeit ist es sehr heiß und nach den Regenfällen auch sehr schwül, so dass die Konzentration schnell nachlässt.

    kleine Mönche
    Unterwegs begegneten wir noch ganz jungen Mönchen

    Nach einem sehr spannenden und aktiven Tag kamen wir erschöpft in unserer Unterkunft in Hsipaw an. Abends haben wir einen der vielen Straßenläden oder auch Barbecues besucht, die sehr günstiges und leckeres Essen servieren. Vor allem lokales Gemüse, Reis und dazu viel Fisch, den ich mir vorher aussuchen konnte, wurde mir gereicht. Am nächsten Tag ging es mit einem lokalen Bus weiter nach Kyaukme. Die Fahrt dauerte circa 1,5 Stunden und war ein besonderes Erlebnis. Der Bus hielt an vielen Stellen, um die Sitze voll zubekommen, aber auch um allerlei Waren zu transportieren. Bei einem Stopp, der etwas länger dauerte, wurden geschätzt ein paar hundert Kilo Zucker, aus Zuckerrohr, in Form von Blöcken in den Bus gehievt. Den Aufenthalt versüßte uns eine Burmesin, die plötzlich im Bus stand und uns allen Wassermelone anbot.

    In Kyaukme, welches noch ursprünglicher ist als Hsipaw, hatte ich meine letzte Übernachtung. Angekommen in einer netten aber recht einfachen Unterkunft, begrüßte mich mein Guide, der uns voller Elan über die bevorstehende Tour informierte. Wir konnten selbst die Route und die Dauer des Trekkings bestimmen. Es stellte sich heraus, dass der Guide nicht nur ein sehr gut informierter und allseits bekannter Guide war, sondern auch Sänger und Zauberer.

    In Kyaukme gönnten wir uns vor der Wanderung einen Snack
    In Kyaukme gönnten wir uns vor der Wanderung einen Snack

    Die einfachen Hütten und die Gastfreundlichkeit der Bergbewohner, wie die der „Paulaung“, waren für mich ein Highlight. Dieses Volk lebt in den Bergen auf recht primitive Art und Weise und baut als Hauptverdienst grünen Tee an den Hängen der Berge an. Es kam mir so vor, als wenn manche von ihnen, Touristen zum ersten Mal gesehen haben. Sehr zurückhalten aber stets freundlich, teilweise hinter Büschen versteckt, wurde ich bewundert oder angesprochen. Die Kinder im Dorf, waren da ganz anders und stürmten direkt in Scharen auf mich zu, um durch den Guide in Kontakt mit mir zu treten. In einem einheimischen Haus, welche immer auf Stelzen gebaut sind und meistens aus Hölzern/Bambus und Bananenpflanzen bestehen, wurde mir eine Schüssel Shan Nudeln serviert. Die Feuerstelle befindet sich immer im Haus auf dem Boden. So kann es auch schon mal in den Zimmern in denen auch gekocht, Tee getrocknet und teilweise geschlafen wird, etwas verraucht sein.

    herzliche Begegnung
    In Kyaukme gönnten wir uns vor der Wanderung einen Snack

    Die Tage vergingen einfach viel zu schnell. Gerne wäre ich länger geblieben, doch viele Highlights erwarteten mich noch auf meiner Reiseroute, wie die mystische Tempelanlage von Bagan, der goldene Felsen in Kyaikhtiyo, die alte Königsstadt Mandalay und deren Umgebung, sowie auch der palmengesäumte Strand von Ngapali. Eine wackelige und langsame aber dafür sehr gemütliche und entspannte Zugfahrt führte mich über das Gokteik-Viadukt bis nach Pyin Oo Lwin und rundete meinen Baustein „Shan-Dörfer  & Gokteik Viadukt“ ab.

    Fahrt über das Gokteik Viadukt
    Fahrt über das Gokteik Viadukt